Brigitte-Reimann-Jahr 2013

Erklärung des Kulturstammtisches der Region Burg

Brigitte Reimann aus Sachsen-Anhalt gehört zum literarischen Erbe des 20. Jahrhunderts. Sie war eine herausragende Schriftstellerin, deren Leben und Werk unvergessen sind. Sie hat temperamentvoll, begeisterungsfähig, lebenshungrig, engagiert und besessen von der Idee einer humanistischen Gesellschaft  in gesellschaftliche Prozesse eingegriffen. Sie glaubte an eine große Sache und zweifelte an ihr. Überall traf sie großartige Kollegen, empfindsame und kluge Menschen, die sich nicht mit dem Zustand der Verhältnisse abfinden wollten. Sie fand Kraft in ihrem Tun, zu dem in erster Linie das Schreiben zählte. Sie arbeitete für Verlage, Rundfunk und Fernsehen und bekam Orden und Preise. Sie kämpfte gegen die Krebserkrankung, schrieb bis zuletzt. Ihr Hauptwerk, der Roman „Franziska Linkerhand“ blieb unvollendet. Ihr Werk hat nichts an Aktualität verloren. Es bewegt seine Leser bis heute und motiviert zur Auseinandersetzung mit politischen und philosophischen Fragen. Geschichtsbewusstsein wird herausgebildet und die Bereitschaft, für künftige Entwicklungen Verantwortung zu übernehmen.
 
Brigitte Reimann kam am 21. 7. 1933 in Burg auf die Welt. 2013 würde sie 80 Jahre alt werden. 2013 jährt sich der 40. Todestag der Schriftstellerin.
 
Das Brigitte-Reimann-Jahr ist ein grenz- und generationsübergreifendes
Projekt, das mit dem Erbe zukunftsorientiert arbeitet. Aus diesem Grund initiierten die beim Kulturstammtisch der Region Burg mitwirkenden Kulturträger Burgs (Stadtbibliothek „Brigitte Reimann“, „CAT- stairs“ – Das Kabarett, der Burger Autorenkreis, das Kino „Burg Theater“ mit dem „W E I TBLICK e.V.“, die Kirchen) und weitere Vereine der Stadt für 2013 das „Brigitte-Reimann-Jahr“ in Trägerschaft mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis in Sachsen-Anhalt e.V.
 
Es gibt zahlreiche Angebote, die das Leben und Schaffen der Schriftstellerin würdigen und zur Auseinandersetzung anregen – für alle Bürger wahrnehmbar. Von der Banner-Werbung bis zum Schreibaufruf, von Lesungen bis zum Live-Hörspiel, Straßenbenennung und das Einbringen eines Gedenksteines wird sich alles um das Erbe der Reimann ranken. Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden in diesen Prozess einbezogen. Zum Jahresende ist eine Publikation geplant, die diese Auseinandersetzungen dokumentiert. Zielgruppe sind Jugendliche und Erwachsene, die auch künftig darauf zurückgreifen können. Ein lebendiges und lesbares Buch wird entstehen, das Erinnerungen an Brigitte Reimann aufbewahrt, und dokumentiert, wie Zeitzeugen sie sehen und inwieweit unsere Lebensentwürfe Reimannsche Züge tragen.
Das Projekt ist ein gemeinsamer Weg, den wir finden und gehen, der uns mit Brigitte Reimann und ihren Lesern verbindet.
 
Das Brigitte-Reimann-Jahr beginnt in Burg mit der Auftaktveranstaltung „Brigitte Reimann zwischen Euphorie und Verzweiflung“ am 21. Februar, um 19.00 Uhr, in der Stadthalle Burg, Platz des Friedens.
 
 



Schreibaufruf zum Brigitte-Reimann-Jahr 2013

Wenn wir schreiben, sind wir stark! 

Einsendeschluss:
31. Mai 2013
Einsendungen an:
Pelikan e.V.
Dorothea Iser, Hauptstr. 8, 39288 Burg
d.iser@me.com
 
Brigitte Reimann kam am 21. 7. 1933 in Burg auf die Welt. 2013 würde sie 80 Jahre alt werden. 2013 jährt sich der 40. Todestag.
 
Reimann war eine außergewöhnliche Schriftstellerin. Sie glaubte an eine große Sache und zweifelte an ihr. Ihren Zweifeln folgte meist Verzweiflung: an ihrem Talent, an ihren Arbeiten, an ihrer unbändigen Lust auf Leben. Sie wetteiferte mit Pitschmann. Bitterfelder Weg, Hoyerswerda, Arbeit in der Schwarzen Pumpe, Ankunftsliteratur. Die Arbeit, die Brigaden, der Parteiapparat. Die Menschen wollen nicht nur arbeiten, sie wollen wohnen, lieben, träumen. Die Reimann hat nichts zu verlieren außer sich selbst.
 
Wir erwarten Zuschriften zu Leben und Werk der Reimann. Es können Texte in den verschiedensten Formen eingesandt werden. Der Autor garantiert, dass sein Beitrag nicht Rechte dritter berührt. Bei Veröffentlichung bleiben die Rechte beim Autor.
Briefe, Tagebucheintragungen, Skizzen, Kurzgeschichten oder Erzählungen sind möglich.
 
Prosaarbeiten bis maximal 10 Normseiten.
Lyrik bis maximal 5 Texte.
Eine Jury wählt die Arbeiten aus, die in Veranstaltungen gelesen und in eine Publikation aufgenommen werden.
Einsendungen (möglichst per E-Mail) mit folgenden Angaben:
 
Name, Vorname
Anschrift, Telefonnummer
E-Mail-Adresse
 



Brigitte Reimann

Foto Brigitte Reimann
Brigitte Reimann;: (c) by: Ernst-Jäger-Archiv, Prof. Gottfried Jäger, Bielefeld, 2013

" ..... Glücklich in des Wortes schönster und tiefster Bedeutung bin ich nur in den Stunden, in denen ich am Schreibtisch sitze und Menschen und Schicksale forme nach meinem Willen ... "

Das schrieb die hier in Burg geborene Schriftstellerin Brigitte Reimann und ihr ganzes Leben, ihr Wollen richtete sie danach aus.
Eines ihrer Werke gab einer ganzen Literaturepoche der DDR die Bezeichnung, die sogenannte "Ankunftsliteratur" (Erzählung: "Ankunft im Alltag") = (Schreibende Arbeiter, Schreibende Werktätige der sozialistischen Landwirtschaft, Kulturschaffende an die Basis, zu den Arbeitern, Bauern ....)

Aber nicht nur für die Literatur der DDR waren ihre Werke von Bedeutung, sondern auch darüber hinaus fanden ihre Werke immer stärkere Beachtung. Die verzweifelnd "Suchende" wurde immer mehr von der überzeugten Sozialistin zur Zweiflerin und unbequemen Fragerin, die sich mit nichts abfand alles in Frage stellte und immer auf der Suche war.

21.07.1933

in Burg geboren, älteste von 4 Kindern des Ehepaares Willi Reimann und Elisabeth Reimann, geb. Besch

1947

Erkrankung an Kinderlähmung (ca. 1/2 Jahr keinen Schulbesuch) nach Wiederaufnahme der Schule Funktionen in der FDJ, Leitung des Theaterzirkels der Schule (Pestalozzi-Schule)

1948

Im Dezember schreibt sie ein erstes Laienspiel für die Schulweihnachtsfeier.

1950

Sie erhält im Juni beim Ideenwettbewerb für Leienspiele an der Berliner Volksbühne den 1. Preis

1951

Im März werden erste Laienspiele in Berlin gedruckt.
Abitur, Aufnahme aber gleich wieder Abbruch eines Studiums der Theaterwissenschaft in Weimar am ersten Tag, ca. 2-wöchiger pädagogischer Lehrgang, danach Lehrerin in Burg an der Schule, wo sie lernte

1952

Austritt aus der Protest. Kirche, erfolglose Bewerbung um ein Dramaturgiestudium in Jena

1953

Sie schreibt "Die Denunziat".
Aufnahme in den Jugendverband des Deutschen Schriftstellerverbandes; Beendigung der Lehrertätigkeit; Hochzeit mit Günter Domnik, es folgen Schwangerschaft, FEhlgeburt und Selbstmordversuch; im Oktober; Ihre erste Erzählung "Katja" erscheint in der Volksstimme

1955

Die Erzählung "Tod der schönen Helena" erscheint.

1956

Veröffentlichung der Erzählung "Die Frau am Pranger" und "Die Kinder von Hellas", Aufnahme in den Deutschen Schriftstellerverband (November)

1958

Scheidung

1959

Heirat (Schriftsteller Siegfried Pitschmann)

1960

Umzug nach Hoyerswerda, Leitung eines Zirkel "Schreibender Arbeiter" im Kombinat "Schwarze Pumpe". Es erscheint die Erzählung "Das Geständnis" und zusammen mit ihrem Ehemann und Schriftstellerkollegen erscheinen 2 Hörspiele.

1961

"Ankunft im Alltag" erscheint. Sie erhält zusammen mit S. Pitschmann den Literaturpreis des FDGB.

1963

Wahl in den Vorstand des DSV, Mitglied der AG Literatur im ZK der SED, Mitglied einer Kommission des Politbüros für Jugendfragen

1964

Scheidung und erneute Ehe, diesmal mit John K., Sibirienreise mit dem Zentralrat der FDJ

1965

erhält sie den "Heinrich Mann Preis der Akademie der Künste", es erscheint die Reportage "Das grüne Licht der Steppen, Tagebuch einer Sibirienreise"

1967

Erkrankung an Krebs und Operation in Berlin

1968

Umzug nach Neubrandenburg

1969

Arbeit am Roman "Franziska Linkerhand"
Ab Oktober ist sie durch Rückenschmerzen fast bewegungsunfähig.

1970

Aufenthalt im Krankenhaus Mahlow bei Berlin im Januar; dritte Scheidung

1971

März: schwere Operation in Berlin-Buch.
Am 14. Mai Heiratet sie ihren Arzt Dr. Rudolf Burgatz

1972

Zwischen immer wieder auftretenden Krankheitsschüben und Bestrahlungen arbeit sie weiter am Roman.
Ab dem dem 18. August liegt Brigitte Reimann kaum ansprechbar im Krankenhaus Berlin-Buch.
Weihnachten verbingt sie schwerkrank in Neubrandenburg,

1973

Am 20. Februar erliegt sie in Berlin-Buch ihrem Krebsleiden. 

1974

erscheint ihr unvollendeter Roman "Franziska Linkerhand", der von der DEFA unter dem Titel "Unser kurzes Leben" verfilmt wurde.

1983

Veröffentlichung "Brigitte Reimann in Ihren Briefen und Tagebüchern"

Weitere Werke

"Aber wir schaffen es, verlaß dich drauf" Briefe an eine Freundin im Westen (1995)
"Ich bedaure nichts" Tagebücher 1955-1963 (1997)
"Alles schmekt nach Abschied" Tagebücher 1964-1970 (1998)
"Sei gegrüßt und lebe" Brigitte Reimann/Christa Wolf (1995)

Die Stadtbibliothek der Stadt Burg trägt den Namen "Brigitte Reimann".



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