Willy-Brandt-Platz in Burg freigegeben

Straßen und Plätze nach Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu benennen, hat eine lange Tradition in Deutschland und vielen anderen Ländern. Diese Benennungen in den verschiedenen Epochen unserer Geschichte spiegeln natürlich immer auch die jeweiligen politischen und kulturellen Präferenzen wieder. Eine Benennung öffentlicher Plätze nach berühmten Persönlichkeiten dient immer auch der Selbstvergewisserung einer Gesellschaft auf ihre Wurzeln und ihre Werte.

Insofern freut es mich besonders, dass der Stadtrat der Stadt Burg beschlossen hat, den Bahnhofsvorplatz hier in Burg nach dem vierten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Willy Brandt, zu benennen.

Willy-Brandt-Plätze, Straßen und Alleen in Deutschland sind kaum noch zu zählen. Immer wieder finden sich auch nach Willy Brandt benannte Bahnhofsvorplätze. So zum Beispiel in Heidelberg, Mannheim, Kassel, Magdeburg und in Leipzig. Hier ist er Teil des Innenstadtrings, der auch für die Montagsdemonstrationen genutzt wurde.

Geschichtlich ebenfalls wertvoll, der Platz in Erfurt, wo im März 1970 bei dem ersten Treffen der Regierungschefs Bundeskanzler Willy Brandt und Ministerpräsident Willi Stoph im Hotel „Erfurter Hof“ Willy Brandt ans Fenster trat und die begeisterten Menschen grüßte. Nicht zu vergessen der Platz in Warschau, auf dem Willy Brandt den berühmten Kniefall am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos im Dezember 1970 vollzog.

Willy Brandt war nicht nur der erste sozialdemokratische Bundeskanzler, er ist auch der dritte Friedensnobelpreisträger, nach dem in Burg ein öffentlicher Ort benannt ist!

Wer waren die anderen?
Dazu schauen wir am besten in die Burger Siedlung Ost. Hier finden wir die Gustav Stresemann Straße. Stresemann wurde 1926 Friedensnobelpreis gemeinsam mit dem französischen Außenminister Aristide Briand.

Nur unweit davon entfernt die (Carl von) Ossietzkystraße. 1935 erhielt der Pazifist den Friedensnobelpreis für Einsatz gegen den deutschen Militarismus als Chefredakteur der Weltbühne.

Die Stadt Burg kann stolz sein, dass inzwischen drei öffentliche Straßen/Plätze nach Friedensnobelpreisträgern benannt sind. Mit Gustav Stresemann und Willy Brandt zwei Politiker, die sich für den Frieden mit Deutschlands Nachbarn eingesetzt haben (Stresemann – Frankreich, Brandt – Polen, damalige Sowjetunion).

Mit der Würdigung von nunmehr drei Friedensnobelpreisträgern in Burg verbinde ich auch eine Verpflichtung für eine Stadt und für die Menschen, die in ihr leben. Eine Verpflichtung, sich für den Frieden einzusetzen. Damit meine ich nicht nur den Frieden zwischen den Völkern, sondern den Frieden in der Gesellschaft, in unserer Gesellschaft.

Daher möchte ich heute an Sie appellieren, lassen Sie uns gemeinsam etwas für den Frieden in unserer Gesellschaft tun.

Ich glaube, dass wir, also

• Menschen die heute hier sind, um diesen Willy-Brandt-Platz einzuweihen
• Menschen, die begreifen, wie wichtig Demokratie für unser Zusammenleben ist
• Menschen, die noch wissen, wohin Hass und Gewalt in der Gesellschaft führen

etwas tun müssen. Dazu möchte ich bei dieser Gelegenheit aufrufen, denn es ist höchste Zeit. Was ist zu tun? Hier möchte ich verweisen auf ein Zitat von Willy Brandt:
„Unsere Zeit steckt voller Möglichkeiten, zum Guten und zum Bösen. Nichts kommt von selbst und nur wenig ist von Dauer. Darum – besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“ (Zitat Ende)

Wir sind diejenigen, die jetzt gefragt sind! Lassen Sie uns gemeinsam Gutes bewirken!


(Rede von Matthias Graner (SPD) zur Freigabe des Willy-Brandt-Platzes in Burg am 13. September 2018 (Bahnhofsvorplatz)

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